Sogenannte Gründe gegen die Inspiration    
    
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Sogenannte Gründe gegen die Inspiration

Wir wollen nun kurz auf sechs Einwände besonders eingehen.

  1. "Wie können wir glauben, dass der ursprünglich geschriebene Bibeltext unfehlbar war, wenn er doch nicht mehr vorhanden ist?" - Die Antwort ist sehr einfach: Es ist gerade das Beeindruckende und Wunderbare an der Überlieferung unseres Bibeltextes, dass wir, bis auf einige Kleinigkeiten, den ursprünglichen Text genau rekonstruieren können. Schon daran können wir erkennen, wie wichtig es für Gott war, uns den wörtlich genauen Bibeltext in die Hände zu geben, wenn er auch auf der anderen Seite verhindert hat, dass die ursprünglichen Manuskripte bewahrt blieben (möglicherweise, um sie vor Missbrauch zu schützen; vgl. 2. Könige 18,4).
     
  2. „Wie können die vielen schlechten oder auch lügenhaften Aussagen, die in der Bibel stehen, inspiriert sein?" - In der Tat, in der Bibel finden wir viele Worte Ungläubiger (wie die des Gemeindesekretärs in Ephesus, des Oberhauptmanns von Jerusalem und des Anwalts Tertullus; Apostelgeschichte 19,23 + 24), und sogar verkehrte Aussagen von Gläubigen (wie die Verleugnung des Petrus). Wir finden Worte, die Satan ausspricht; lange (teils falsche) Reden der Freunde Hiobs und sogar den Ausspruch: „Es gibt keinen Gott" (Psalm 14 + 53- von einem Narr ausgesprochen). Aber die Inspiration hat überhaupt nichts zu tun mit den Leuten, die diese Worte aussprachen! Nicht sie wurden inspiriert (das ist keine Frage), sondern die Schriften, die unter Leitung des Heiligen Geistes diese Worte, genau wie Gott es wollte und wie er es als wichtig für uns erachtete, getreu wiedergegeben haben. Wir sehen also, dass die Bibel wohl Lügen zitiert (z.B. 1. Mose 3,4), aber keine lehrt. Sie nennt diese Lügen lediglich, um uns davor zu warnen.
     
  3. „Ist der Gebrauch verschiedener Schreibstile von einigen Bibelverfassern nicht ein Beweis gegen die Inspiration durch den einen, göttlichen Verfasser?" - Nein, Gott wurde nicht durch die unterschiedlichen Persönlichkeiten der Autoren „gehindert", sondern machte im Gegenteil vollen Gebrauch davon. So ließ er gleich vier Evangelien schreiben - weil eines niemals ganz den Reichtum der Person und des Werkes Jesu Christi hätte wiedergeben können. - Und wie hat Gott genau die richtigen Personen dazu gebraucht!: Gerade der bekehrte jüdische Kollaborateur Matthäus verfasste das Evangelium über Jesus Christus als Judenkönig; der untreue, aber wieder umgekehrte Knecht Markus schrieb über Jesus als den wahren Knecht Gottes; der „geliebte Arzt" Lukas beschreibt Ihn als den wahren Menschen, der da kam, um Gottes Barmherzigkeit zu offenbaren; und der Apostel Johannes schildert Ihn uns schließlich als wahren Gott. Dies war nur ein Beispiel davon, wie der Herr von dem „Tonvolumen" und der „Klangfarbe" seiner Werkzeuge Gebrauch machte, während er dennoch die ganze Melodie und Harmonie bestimmte.
     
  4. „Paulus sagt doch selber, dass nicht alle Aussagen in seinen Briefen inspiriert sind?" - Das immer wieder angeführte Beispiel ist hier 1. Korinther 7, wo Paulus einen Unterschied macht zwischen dem, was er selber sagt (Vers 6 + 12 + 25) und dem, was der Herr sagt (Vers 10). Wer an dieser Stelle eine Schwierigkeit sieht, zeigt damit, dass er ein falsches Verständnis von der Inspiration hat, er macht keinen Unterschied zwischen Inspiration und Offenbarung. Alles, was in der Bibel steht, ist inspiriert, aber nicht jedes Schriftwort beruht auf einer direkten „Offenbarung" Gottes. Über die Bindung der Ehefrau an ihren Mann hatte Paulus (auch aus dem Alten Testament) eine ausdrückliche Offenbarung, ein Gebot des Herrn (1. Korinther 7,10; vgl. 11,23; 14,37; vgl. Matthäus 5,31 +32; 19,3-9); in anderen Fällen hatte er zwar kein solch ausdrückliches Gebot, konnte aber als jemand, der „auch den Geist Gottes hatte" (1. Kor. 7,40), Auskunft über Gottes Ansichten hinsichtlich verschiedener Fragen geben (1. Kor. 7,17b; 4,17). Ob Paulus nun über eine bestimmte Sache eine besondere Offenbarung hatte oder nicht: alles was er in 1. Korinther 7 niederschrieb, war voll und ganz inspiriert; der Heilige Geist gab ihm ein, was er über die verschiedenen Streitfragen schreiben sollte: sei es das Gebot des Herrn, oder seien es eigene (durch den Heiligen Geist gewirkte) Gedanken.
     
  5. „Kommen in der Bibel nicht zahllose Widersprüche vor, die die Inspiration unglaubwürdig machen?" - Das ist ein sehr beliebtes Argument gegen die Inspiration, und viele haben sich schon bemüht, lange Listen solch widersprüchlicher Aussagen zusammenzustellen. In dieser kurzen Ausführung können wir natürlich nicht alle sogenannten Widersprüche abhandeln, wohl aber einige „Rubriken" aufzählen, in die man diese vermeintlichen Schwierigkeiten einreihen kann: Die Lösung der Probleme liegt dann auf der Hand:
  1. Fehler in den verwendeten Handschriften (normalerweise durch Textkritik zu korrigieren) und Fehler oder Schwächen in Übersetzungen (z.B. dass unterschiedliche Wörter und Satzkonstruktionen des Urtextes nicht zur Geltung kommen).
  2. Das Missverstehen spezifisch antiker und östlicher Ausdrucksweisen und Vorstellungen oder auch der gebräuchlichen „unwissenschaftlichen" Redensart der Bibel.
  3. Das Nicht-Unterscheiden verschiedener Offenbarungen, Handlungen und Worte Gottes in unterschiedlichen Phasen der Heilsgeschichte.
  4. Oft wird ein und dieselbe Sache von verschiedenen Autoren aus unterschiedlichen (scheinbar widersprüchlichen) Gesichtspunkten wiedergegeben.
  5. Oft werden bei der Beschreibung einer Sache von verschiedenen Verfassern ganz unterschiedliche Aspekte dieser Sache betont oder weggelassen, wodurch sie einander wunderbar ergänzen, anstatt sich zu widersprechen.
  6. Viele Stellen können auf verschiedene Arten „gelesen" werden: es ist verblüffend, wie oft sie so gelesen werden, dass dadurch die Widersprüche erst entstehen!
  1. „Kommen in der Bibel nicht zahllose historisch und wissenschaftlich unrichtige Behauptungen vor?" - Hier liegt die wohl wichtigste Fußangel, wenn es um Argumente gegen die Inspiration geht. Diese Entgegnung hängt übrigens sehr eng mit dem vorhergehenden Punkt zusammen! Was soll man bloß von einem Buch halten, das über folgende Dinge spricht?: Über eine flache Erde, eine Himmelskuppel, über Pfeiler, auf denen die Erde ruht, über die Frau Kains, die einfach aus dem Nichts auftaucht, über den wiederkäuenden Hasen, mythologische Tiere, primitive Wundergeschichten, über historische Unmöglichkeiten und zwei widersprüchliche Schöpfungsgeschichten, sowie drei „seligmachende Tiere" (redende Schlange, sprechender Esel und ein Fisch, in dem Jona drei volle Tage wohnte), und über alle möglichen überholten Geschichten mehr, die man in der Bibel nicht erwarten würde, wenn sie von einem vollkommenen, allwissenden Gott Wort für Wort inspiriert wurde!

Wir nehmen diesen Einwand (der auch in der modernen Theologie eine gewichtige Rolle spielt) so ernst, dass wir ihm den ganzen zweiten Band unserer Buchreihe „Die Bibel offen" widmen werden! Da wollen wir dann ausführlich zu zeigen versuchen, dass die Bibel nicht nur bei religiösen Fragen mit göttlicher Autorität spricht, sondern auch da, wo sie über Geschichte, die Natur und den Kosmos spricht. Wir wollen zeigen, dass auch das wichtig ist! Leider können wir hier nicht auf die historische und wissenschaftliche Glaubwürdigkeit der Schrift eingehen, werden aber im zweiten Buch um so ausführlicher darauf zurückkommen. Die Bibel ist kein Geschichts- oder wissenschaftliches Buch; aber da, wo sie etwas über Geschichte oder Wissenschaft aussagt, ist sie immer im Recht und redet mit göttlicher Autorität.


aus "So entstand die Bibel"
von Prof. Dr. W.J. Ouweneel und W.J.J. Glashouwer
www.clv.de

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